Hier kommt die 5. Ausgabe des FCI-Newsletters, wenn auch etwas später als gewöhnlich. Doch da die 6. Ausgabe auch bereits in Arbeit ist und bald herauskommen wird, werden wir Ihnen wie versprochen sechs Ausgaben pro Jahr liefern können. Gemeinsam mit meinen Kollegen Marie Luna Duran und Yves De Clercq haben wir hart daran gearbeitet, um Sie regelmässig auf dem Laufenden zu halten, was in der Welt der FCI vor sich geht. Als ob der Start eines Newsletters nicht schon genug wäre, galt es zudem, die Feierlichkeiten für das hundertjährige FCI-Jubiläum zu organisieren, deren Höhepunkte in der FCI-Jubiläumsausstellung Champion of Champions und den kürzlich in Brüssel abgehaltenen kynologischen Tagen (Cynological Days) bestanden. In der nächsten Ausgabe werden wir uns ausschliesslich auf dieses Ereignis konzentrieren, mit einem ausführlichen Bericht und vielen Fotos...

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Karl DONVIL
Mitglied des Redaktionsteams der FCI-Newsletter
Interview mit Hans Van den Berg
© Karl Donvil

Herr Van den Berg, die meisten Leute, die regelmässig Hundeausstellungen besuchen, kennen Sie sicher, da Sie wahrscheinlich der weltweit meistbekannte niederländische Richter sind. Wie lange richten Sie schon, und wie sind Sie dazu gekommen?

Ich bin nun seit 35 Jahren Richter. Der niederländische Scottish Terrier Verein bat mich darum, an der Richterprüfung teilzunehmen. Mit 16 Jahren schloss ich meine Richterausbildung erfolgreich ab, doch ich war mit der Zucht und den Ausstellungen sehr beschäftigt und dachte nicht ans Richten.

Mit welcher Rasse haben Sie angefangen, und warum gerade mit dieser Rasse?

Als ich meine Prüfung ablegte, hatte ich einen Bobtail und Scottish Terriers.

Haben Sie immer noch einen Hund?

Ich habe zur Zeit einen nun siebenjährigen Scottish Terrier namens "Danskots Devil in Disguise", und seit ein paar Wochen auch einen neuen Scottish Terrier namens "Danskots Sweet N’Naughty". Es sind sehr schöne und gesunde Hunde, die mir jeden Tag viel Freude bereiten.

Wann haben Sie beschlossen, mit dem Richten zu beginnen, und was war Ihre erste Rasse?

Das war 1976, und natürlich war die Rasse, die ich ausstellte und richtete, der Scottish Terrier.

Wann wurden Sie zum Allgemeinrichter?

Ich wurde 1987 Allgemeinrichter.

Es ist nicht leicht, zu einem so respektierten Richter wie Sie zu werden. Was ist Ihr Ratschlag für angehende Richter?

Mein Ratschlag für angehende Richter? Sich immer so gut wie möglich vorzubereiten. Auch wenn man eine Rasse regelmässig richtet, muss man den Standard immer wieder lesen und studieren, und sich Fotos von guten und weniger guten Spezies der Rasse anschauen. Es ist selbstverständlich, dass der Hund und der Besitzer im Ring mit Respekt und stets freundlich zu behandeln sind. Man muss zeigen, dass man gerne richtet!

Sie reisen um die ganze Welt. Ist das Richten für Sie ein Fulltime-Job?

Richten ist für mich kein Job, sondern ein Hobby.

Werden Sie sich früher oder später vom Richten zurückziehen, oder machen Sie so lange weiter, wie es Ihre Gesundheit zulässt?

Ich werde mit dem Richten aufhören, sobald es mir keinen Spass mehr macht, oder wenn es zu anstrengend wird.

Ich nehme an, es war eine Ehre für Sie, als Sie vom Raad van Beheer darum gebeten wurden, den Best in Show (BIS) bei der Europäischen Hundeaustellung in Leeuwarden zu richten. Da haben Sie sicher nicht lange gezögert?

Ich habe mich über die Einladung, den BIS zu richten, sehr gefreut, und habe nicht eine Sekunde gezögert, dies anzunehmen.

Stimmt es, dass Sie das Richten der Gruppe nicht gesehen haben? Sie haben die Rassensieger zum ersten Mal gesehen, als Sie mit dem Richten dran waren?

Am ersten Tag habe ich den Fox Terrier von weitem gesehen, und auch die Gruppensieger am letzten Tag. An den anderen Tagen war ich nicht bei der Ausstellung, da ich Spezialzuchtschauen richtete.

Ihr BIS-Hund, der Afghane, gehört einer sehr glamourösen Rasse an. Hatten Sie nicht befürchtet, dass es als zu einfach betrachtet werden würde, diesen Hund zu wählen? Anders ausgedrückt, was war an diesem Hund so besonders?

Ich hatte die Siegerhunde zuvor gerichtet und in Ausstellungspose bewundert. Ich hatte zunächst eine andere Wahl getroffen, doch nach dem offiziellen Richten war ich ziemlich sicher, dass entweder der Afghane oder der Fox Terrier mein BIS werden würde. Daran hatte ich keinen Zweifel.

Der Fox Terrier war Ihr Reservehund. Haben Sie vielleicht Kommentare dazu?

Sowohl mein BIS als auch mein Reservehund hatten Punkte, die besser hätten sein können, aber ich werde sie hier natürlich nicht nennen.

Ihr 3. BIS war der Dachshund, was ungewöhnlich ist, da diese Rasse von den Richtern meistens weiter hinten platziert wird. Ich nehme an, es war ein besonders guter Hund?

Der Dachshund war auch einer meiner Favoriten, aber leider hatte er am Ende keine Lust mehr.

Die Europäische Hundeausstellung in Leeuwarden ist als eine der Bestorganisierten in die Geschichte eingegangen. Sie waren bei so vielen Hundeausstellungen. Hatten Sie darauf vertraut, dass Ihre Landsleute ihre Sache so gut machen würden?

Das Organisationsteam hat für die Richter ausgezeichnete Arbeit geleistet, und das Seminar im Vorfeld der Ausstellung war sehr gut organisiert. Ich habe an den 4 Tagen kaum das Richten im Ring gesehen, und konnte mir somit keine Meinung bilden, aber die Finals waren jedenfalls grossartig. Die Anlage war festlich geschmückt, alles war gut organisiert, und ich war stolz auf die Organisation der Ausstellung.

Wir danken Ihnen dafür, dass Sie dem FCI-Magazin freundlicherweise dieses Gespräch gewährt haben.

Interview: Karl Donvil